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Empirische Sozialforschung - Migration im Bezirk Vöcklabruck

Hrsg.: FAES 2006 | Publikation: Mit, 7. Juni 2006 | Letzte Aktualisierung: Mit, 27. Juni 2007

Empirische Sozialforschung - Migration im Bezirk VöcklabruckErhebung der Ist-Situation der MigrantInnen[1], Analyse der bestehenden Maßnahmen zur Integration und Erstellung eines Maßnahmenkatalogs für den Bezirk Vöcklabruck

Präambel


Das Integrationsbüro MOSAIK Vöcklabruck, ein Projekt der Volkshilfe OÖ Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung beschäftigt sich seit mehr als 2 Jahren mit der professionellen Umsetzung von Maßnahmen mit dem Ziel der:
  • Verbesserung des sozialen Klimas durch mehr Verständnis zwischen allen MitbürgerInnen
  • Einbeziehung der MigrantInnen auf kommunaler Ebene
  • Verbesserung der Situation der MigrantInnen in allen Lebenslagen
  • Sensibilisierung der Gesellschaft auf die Vielfalt der Kulturen
Integration von MigrantInnen im Sinne des alltäglichen Zusammenlebens findet tatsächlich in den Städten und Gemeinden statt. Hier treffen MigrantInnen und deren Nachfahren mit „Alteingesessene“ in der Kinderkrippe, dem Kindergarten, am Spielplatz, den Schulen, lokalen Vereinen und öffentlichen Institutionen und Wohlfahrtsorganisationen zusammen und/oder isolieren sich von der Umgebung. Vielerorts wird die Verantwortung mit und für MigrantInnen und deren Familien ein lebenswertes Umfeld zu gestalten auf den Staat abgeschoben. Viele Kommunen verweisen zu Recht darauf, dass nicht ausreichend finanzielle Mittel für die Integrationsarbeit zugewiesen werden. Die Kommunen jedoch, sollten ihre Verantwortung wahrnehmen, vorzugsweise gemeinsam in bereits bestehenden Regionalverbänden aktiv Integration von MigrantInnen und deren Familien zu gestalten.

Die Erhebung der Ist-Situation, eine Analyse, Reflektion der Maßnahmen sind die Basis zur professionellen Planung von Integrationspolitik im Bezirk Vöcklabruck und darüber hinaus ein Ingangsetzen eines koordinierten Prozesses der den zukünftigen Handlungsrahmen festlegt.

Projektinhalte


Erhebung der Basisdaten


Um ein möglichst genaues Bild des Status quo im Bezirk bzw. in den Gemeinden zu ermitteln sollten unter Bezugnahme der demographischen Struktur, der sozioökonomischen Faktoren (Alter, Vorbildung, Aus- und Weiterbildung, Arbeitsmarkt (öffentlicher Dienst, freier Arbeitsmarkt), Wohnen, Gesundheit), den kulturellen und rechtlichen Faktoren eine Ist-Zustands Analyse erarbeitet werden, die Aufschluss über die bereits initiierten Integrationsmaßnahmen (private Initiativen und Projekte) und eventuelle Defizite gibt. Beobachtung von sozialen Phänomenen und Prozessen soll Raum gegeben werden, ebenso theoretische Vermutungen mit Hilfe empirischer Sozialforschung überprüft werden.

Nach derzeitig vorliegenden statistischen Daten (Volkszählung 2001) leben insgesamt 117.582 Bürger im Bezirk Vöcklabruck, davon 9.738 Bürger mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft, d.s. 8,3 %. Im Regionalverband Vöckla Ager (REVA), deren Mitglieder Attnang-Puchheim, Regau, Lenzing, Timelkam und die Stadt Vöcklabruck sind, leben 37.026 Bürger, davon 9,8 % d.s. 3.645 Bürger mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft. Die Stadt Vöcklabruck beheimatet 10 % und die Stadt Attnang-Puchheim 14.9 % Bürger nicht österr. Staatsbürgerschaft. Die Mehrzahl dieser Bürger stammt ursprünglich aus Bosnien Herzegowina, Kroatien, Jugoslawien oder der Türkei. Die vorliegenden statistischen Daten lassen keinen Rückschluss darauf ziehen, wie groß die Anzahl der „Zugereisten“ in Realität ist, Schätzungen liegen bei ca. einem Viertel der Bevölkerung, betrachtet man die Einwanderungen in den 50ziger, 60ziger und 70ziger Jahren (z.B. große Gruppe der Siebenbürger und Gastarbeiter aus Ex-Jugoslawien).

Die Schwerpunktbereiche liegen auf folgende Themen:


Politik und Verwaltung


In welchen Bereichen der Gemeindepolitik (Jugend, Soziales, Bildung, Gesundheit, Wohnen, Verwaltung etc.) sind MigrantInnen zurzeit vertreten oder haben den Wunsch dort vertreten zu sein und welche Hindernisse gibt es in dem Bereich der Gleichstellungs- und Antidiskriminierungspolitik. Darstellung der integrationspolitischen und verwaltungstechnischen Maßnahmen auf Gemeinde- und Bezirksebene. Welche Rolle spielen Integrationsbeiräte.

Bildung


Der Bereich Bildung reicht von der Kindergartenpädagogik, Pflichtschulbereich, allgemeinbildende und berufsbildenden Schulen, Lehrausbildung bis hin zur Aus- und Weiterbildung von Jugendlichen und Erwachsenen. Eine Analyse der Bildungskarrieren von Kinder und Jugendlichen der 2. und 3. Generation ist von Bedeutung. Darüber hinaus sollte die Studie Aufschluss über den gelernten Beruf und den tatsächlich praktizierten Beruf geben.

Gesundheit und Soziales


Analyse der Informations- und Dienstleistungspolitik der im Bezirk ansässigen Beratungsstellen im Gesundheits- und Sozialwesen im Hinblick auf die speziellen Bedürfnisse der MigrantInnen und ihrer Familien (z.B. Frauenarzt).

Wohnen


Analyse der derzeitigen Wohnsituation, der Zugangskriterien zu Gemeindewohnungen und Wohnungen bei denen die Gemeinde/Stadt bei der Vergabe ein Mitspracherecht hat und dem freien Wohnungsmarkt. Grundlegende Wohnbedürfnisse sollten abgeklärt werden.

Kultur, Begegnung und Kommunikation


Eine Bestandsaufnahme von Migranten-Organisationen/Vereinen, zur Verfügung stehenden Netzwerken, öffentliche Einrichtungen zur Praktizierung von kulturellen Begegnungen.

Arbeitswelt


Das Untersuchungsergebnis sollte Aufschluss darüber geben, welche Anstrengungen am öffentlichen und privaten Arbeitsmarkt gemacht werden, um der Chancengleichheit gerecht zu werden und Diskriminierungen entgegenzuwirken. Welche Potentiale sind vorhanden und werden am Arbeitsmarkt eingebracht oder nicht eingebracht.

Öffentlichkeitsarbeit


Welche Rolle spielt die Öffentlichkeitsarbeit für MigrantInnen in der objektiven Information in Bezug auf Fragen der Migration und Integration.


[1] Unter MigrantInnen verstehen wir Personen, ohne österreichische Staatsbürgerschaft, nicht österreichische Staatsbürger, deren Asylverfahren abgeschlossen ist und Personen, die die österreichische Staatsbürgerschaft haben, deren Geburtsort aber nicht in Österreich liegt, d.h. alle Personen mit migrantischer Herkunft.